Geschichten von Inseln und Meer

Bernstein sammeln oder: Die Tränen der Meeresgöttin Juratevon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 20 Aug, 2017 14:42

Nicht nur Hühnergötter kannst Du am Ostseestrand finden, sondern mit ziemlich viel Glück auch Bernstein. Besonders an stürmischen Tagen und Nächten werden immer wieder Bernsteine am Ufer angespült. Professionelle Bernsteinsucher sind insbesondere während der Herbst- und Winterstürme unterwegs, um diese kostbaren Schmuckstücke aus dem Meer zu holen.

Alles begann vor mindestens einer Million Jahren, Damals war die Erde von Wäldern bedeckt. Die Bäume bildeten Harz, wurden alt und stürzten um. Neue Bäume wuchsen auf ihnen, bildeten Harz, wurden alt und stürzten um. Und wieder wuchsen neue Bäume… Von diesen urzeitlichen Wäldern ist nichts mehr übrig bis auf das Harz der Bäume. Diese eigentlich zähflüssige Masse verwandelte sich unter Druck und Luftabschluss in leichten, durchscheinenden und dennoch festen Stein, der die Menschen schon immer faszinierte: Bernstein.

So einfach ist das also? Natürlich nicht. Denn da gibt es auch noch die alte Geschichte von der Meeresgöttin Jurate. Die erzählt, woher die kleinen Bernsteinstückchen kommen, die man am Strand findet. Jurate war die Lieblingstochter des Donnergottes Perkunas. Er hatte ihr einen ganzen Palast aus Bernstein geschenkt, in dem sie auf dem Grund der Ostsee lebte, mit den Fischen schwamm und mit Muscheln und Krebsen spielte. Nachts schwamm sie zur Meeresoberfläche, liess sich von den Wellen schaukeln und sang zu den Klängen einer Zither leise Lieder,

Eines nachts war der junge, schöne Fischer Kastytis mit seinem Boot auf der Ostsee unterwegs, um Fische zu fangen. Er hörte Jurates Gesang und war verzaubert. Augenblicklich vergas er alles – die Fische, die er fangen wollte, das Geld, das er verdienen wollte, und sogar seine Mutter, die nach litauischer Tradition mit einer Lampe auf dem Kopf am Ufer stand und auf ihn wartete, Kastytis folgte Jurate auf den Meeresgrund, wo die beiden im Bernsteinpalast heirateten.

Als der Donnergott Perkunas erfuhr, dass seine Lieblingstochter heimlich einen Menschen geheiratet hatte, war er nicht nur traurig, sondern wurde sogar richtig böse. Wütend schleuderte er tausende Blitze ins Meer, die den Bernsteinpalast zerschlugen und völlig zerstörten. Kastytis ertrank im Sturm, und Jurate sitzt bis heute auf dem Grund der Ostsee und weint um ihn. Ihre Tränen verwandeln sich in Bernstein und werden manchmal ans Ufer gespült.

Wenn Du Gast im RexRugia StrandResort bist wirst Du sicher oft am Strand sein, Und vielleicht hast Du tatsächlich das Glück und findest eine von Jurates Tränen.





Hühnergötter suchenvon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 05 Jun, 2016 17:39

Nicht nur grosse Findlinge wie den Fritz-Worm-Stein gibt es auf Rügen, sondern auch viele kleine. Besonders interessant dabei sind die sogenannten Hühnergötter: Steine mit kleinen, durchgehenden Löchern. Zumeist sind das Feuersteine mit ehemals eingelagerten Kreidespuren, die durch die Witterung in tausenden von Jahren herausgewaschen wurden. Überall an steinigen Strandabschnitten auf Rügen - wie beispielsweise am Lobber Ort - wirst Du solche Hühnergötter finden.

Früher - und daher haben sie ihren Namen - verwendete man sie tatsächlich dazu, Haustiere, und besonders das Geflügel, vor der bösen Hexe Kikimora zu schützen. Denn Kikimora, die zumeist als alte, seltsam gekleidete oder sogar unsichtbare Frau beschrieben wird, so hiess es, stehle gern Hühner oder hindere sie am Eierlegen. Dabei war Kikimora bei den Slawen, zu denen ja auch die wilden Ranen gehörten, noch eine Göttin. Erst durch die Christianisierung, nach der es nur noch den einen Gott geben durfte, mutierte sie zu einer Art Poltergeist, der Menschen durch ständige Geräusche aus ihren Häusern und in den Wahnsinn treibt oder eben eine besondere Vorliebe für deren Geflügel hat. Ganze Ketten von aufgefädelten Hühnergöttern, aber auch andere Gegenstände mit Loch wie etwa abgeschlagene Hälse von Krügen oder Krüge mit ausgeschlagenem Boden, hängte man an den Ställen auf, um die Tiere vor Kikimora zu schützen.

Auch wenn Du keine Hühner hast kannst Du dich auf die Suche nach den magischen Lochsteinen machen. Viele Menschen halten Hühnergötter auch heute noch für Glücksbringer. Hast Du einen gefunden kannst Du einen dünnen Lederriemen durch das Loch ziehen und den Stein als Kette tragen. Findest Du noch einen zweiten kannst Du ihn als Geschenk für Deine beste Freundin oder Deinen besten Freund mitbringen - und sogar noch die Geschichte von Kikimora dazu erzählen..

Der Findling am Lobber Ortvon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 03 Jun, 2016 17:32

Inseln verändern sich. Sturmfluten nagen an ihren Küsten und reissen Land hinweg. Anderswo spült die Strömung Sand und kleine Steine an und lässt neues Land entstehen. So ist auch Rügen in ständiger Veränderung. Sehen kannst Du das zum Beispiel am Lobber Ort.

Lobber Ort ist der Name des kleinen Felsvorsprunges, der unweit des RexRugia Strandresorts ins Meer ragt und als rund 15 Meter hohe Steilküste die kilometerlangen feinen Sandstrände von Lobbe, die im Norden bis Göhren, im Süden bis Thiessow reichen, voneinander trennt. Vor dem Lobber Ort liegt ein besonders grosser Stein im Wasser. Dieser auffällige Findling hat sogar einen eigenen Namen: Zu Ehren des Rügener Heimatforschers, Lehrers und Dichters wird er Fritz-Worm-Stein genannt. Bestimmt wird er Dir sofort auffallen, wenn Du ihn siehst. Wie der Panzer einer riesigen Schildkröte ragt er aus dem Wasser.

Für Urlauber ist der Fritz-Worm-Stein ein besonders beliebtes Fotoobjekt - natürlich besonders dann, wenn ihre Kinder darauf herumklettern. Vielleicht versuchst Du es einmal - sei aber bitte vorsichtig dabei.

Der Fritz-Worm-Stein lag nicht immer im Meer. Bis zum Jahr 1913 lag er oben an der Kante des Steilufers. Die gewaltige Neujahrssturmflut 1913/14 riss Teile des Steilufers ins Meer und liess den rund 46 Tonnen schweren Felsen herabstürzen. Weitere Landverluste in den folgenden Monaten führten dazu, dass er bereits im Sommer 1914 fast 15 Meter vom Ufer entfernt lag. Inzwischen sind es etwa 25 Meter, die den Stein von der zurückweichenden Küste trennen.



Der Reiter am Mönchgrabenvon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 28 May, 2016 16:13

Eine alte Befestigungsanlage, bestehend aus einem Graben und einem Wall, die beide heute noch teilweise zu erkennen sind, trennte einst die Halbinsel Mönchgut vom Rest Rügens. Der sogenannte Mönchgraben war rund 1,5 Kilometer lang und reichte vom Selliner See bis zum heutigen Baabe. Die immer noch vorhandenen Reste des Walls sind etwa drei Meter hoch und sechs bis sieben Meter breit, der Graben ist immerhin zwei Meter breit. Historiker gehen allerdings davon aus, dass die ursprünglichen Masse wesentlich imposanter waren. Dort, wo heute der hölzerne Torbogen mit Fischer, Bauer, Mönch und Ritter - der möglicherweise Fürst Jaromar II. darstellt - steht befand sich der einzige Durchgang durch das Bollwerk. Ein Reiter, der von den Bauern des Mönchguts zu unterhalten war, kontrollierte täglich die Anlage.

Da ist er also: Der Reiter vom Mönchgraben. Noch heute, so sagt man, tauche er gelegentlich in Vollmondnächten auf, begleitet von einem riessigen Hund. Das Pferd sei vom schnellen Ritt mit Schaum bedeckt, sein silbernes Zaumzeug und die goldenen Steigbügel funkelten im Mondlicht. Wem es gelänge, das Pferd schnell trocken zu reiben, dem winkten Gold und Silber als Belohnung.

Rätselhaft ist aber nicht nur der geisterhafte Reiter, auch der Sinn des Mönchgrabens ist nicht genau geklärt. Wurde er wirklich von den Mönchen errichtet, um ihren Besitz abzugrenzen, wie es eine Sage aus dem Kloster Eldena berichtet? Eigentlich lebten die Mönche in Frieden mit den restlichen Inselbewohnern und hatten keinen Grund, ein solches Verteidigungsbollwerk zu bauen. Zudem befindet sich der Wall nördlich des Grabens - also auf der falschen Seite, um Mönchgut zu verteidigen.

Und da kommt plötzlich wieder die Allerheiligenflut von 1304 ins Spiel. Wenn es nämlich die dabei überspülte Landverbindung zum Ruden und darüber hinaus vielleicht sogar bis zur Halbinsel Usedom gegeben hat macht der Mönchgraben Sinn. Allerdings als Verteidigungslinie der Ranen gegen dänische und sächsische Bedrohungen von der Landseite und dem späteren Mönchgut her. Möglicherweise ist der Mönchgraben also älter als vermutet - und der gold und silbern glänzende Reiter ritt mit seinem Hund bereits über den Wall, bevor überhaupt Mönche auf die Insel kamen.



Nordperd und Südperdvon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 23 May, 2016 11:16

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Zwei markante Felsvorsprünge, die weit ins Meer hinausragen, prägen die Halbinsel Mönchgut: Nordperd bei Göhren und Südperd bei Thiessow. Und genau dazwischen liegt Lobbe mit dem RexRugia StrandResort.

In manchen dunklen, stürmischen Nächten, in denen Wind und Wellen vom Nordosten her auf die Rügenl zurauschen und kalter Regen über die Insel peitscht, so dass man nicht einmal einen Hund vor die Tür jagen möchte, so sagt man, taucht auf jedem dieser beiden Felsen ein Reiter auf, dessen Pferd sich mit aller Kraft gegen den anbrausenden Sturm stellt. Er halte eine qualmende Fackel in der Hand, deren Flammen beinahe vom Sturm ausgeblasen werden und deren flackerndes Licht es kaum schafft, die Dunkelheit zu durchdringen. Die Reiter blicken aufs Meer hinaus und beobachten aufmerksam und besorgt die heranrauschenden Wellen.

Doch wer sind diese geheimnisvollen Reiter? Zu Allerheiligen im Jahr 1304, so ist es in alten Chroniken zu lesen, tobte eine der schlimmsten Sturmfluten auf Rügen und riss grosse Teile der Insel ins Meer. Die Landverbindung, die es bis dahin zwischen Mönchgut und der kleinen Insel Ruden gab, wurde überspült und verschwand für immer in den Fluten. Wohl seitdem halten die Reiter auf dem Nordperd und dem Südperd bei drohenden Sturmfluten Wache - aber kein Mensch hat sie je gesehen, denn wie gesagt: Bei solchem Wetter jagt man nicht einmal einen Hund vor die Tür.

Doch halt. Ob das wohl überhaupt so stimmt?

Über die Allerheiligensturmflut (Allerheiligen ist der 1. November jeden Jahres) im Jahr 1304 berichtet erst der Stralsunder Chronist Johann Berckmann, der 200 Jahre später lebte. Spätere Chronisten, die sogar von der Zerstörung zweier Dörfer auf der überspülten Landverbindung zwischen Mönchgut und dem Ruden berichten, berufen sich gar auf eine Urkunde von Gottlieb Samuel Pristaff. Der wurde erst im Jahre 1736 geboren, also mehr als 400 Jahre nach der Allerheiligensturmflut von 1304. Seine angeblich historische Urkunde ist mittlerweile als Fälschung entlarvt worden. Unbestritten ist unter Historikern heute die Tatsache, dass es die Allerheiligensturmflut im Jahre 1304 gab. Nicht nachweisbar ist die Landverbindung zum Ruden mit ihren zwei Dörfern und deren Überflutung. Die nächste Geschichte wird das Thema aber noch einmal aufnehmen, denn es gibt da einen rätselhaften Graben - und noch einen Reiter.

Doch zurück zu den Reitern, die in stürmischen Nächten auf Norperd und Südperd Wache halten. Der Begriff "Perd" für die Felsvorsprünge muss gar nichts mit dem norddeutschen Wort für Pferd zu tun habem, im Slawischen steht er schlicht und einfach für "Vorsprung". Und wie Du weisst waren die slawischen Ranen mit den beiden Fürsten Jaromar I. und Jaromar II. ja lange Herrscher auf Rügen.

Aber gut: Wenn Du zu Gast im RexRugia StradResort bist kannst Du ja Nordperd und Südperd besuchen. Die Reiter wirst Du vermutlich nicht sehen, aber vielleicht findest Du ja zumindest Hufspuren.



Störtebekers Grabvon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 03 May, 2016 19:28

Vielleicht bist Du ja nicht über die grosse Brücke von Stralsund nach Rügen gekommen, sondern mit der Autofähre von Stahlbrode. Dann wärest Du ganz sicher an der Schoritzer Wiek vorbeigefahren, einer Meeresbucht, die sich weit in das Rügener Land der Halbinsel Zudar hinein zieht und vom offenen Meer aus nicht einzusehen ist. Ein ideales Versteck für Seeräuber also, wenn sie wissen, wo die Untiefen sind, auf die sie nicht auflaufen dürfen.

Im Westen der Schoritzer Wiek öffnet sich noch einmal ein schmaler Durchgang zur kleinen Maltziener Wiek. In dieer Maltziener Wiek befindet sich eine kleine Insel, die hauptsächlich von Kormoranen bewohnt wird: Tollow.

Auf der Insel Tollow oder vielleicht auch irgendwo daneben auf dem Grund des Meeres soll der Seeräuberkapitän Klaus Störtebeker begraben sein. Standesgemäss natürlich in einem goldenen Sarg, Um den Sarg zu finden, so heisst es, müsse man auf Tollow nur das Ende der goldenen Kette ausgraben, die Störtebeker einst den Hamburger Ratsherren als Gegenleistung für seine Begnadigung angeboten hatte. Du erinnerst Dich: Die Kette, die so lang war, dass man sie um die gesamte Stadt Hamburg legen konnte. Hat man einmal das Ende der Kette gefunden muss man nur an deren weiteren Verlauf entlang graben, um am anderen Ende schliesslich auf Störtebekers goldenen Sarg zu stossen.

Gefunden hat die goldene Kette oder gar den Sarg bislang noch niemand. Dabei ist es nicht so, dass niemand wüsste, wo sich diese Schätze befinden. Seit Jahrhunderten, so sagt die Legende, gibt es immer einen einzigen Rügener Fischer, der die genaue Stelle kennt. Spürt er den Tod nahen gibt er das Geheimnis an einen jüngeren Fischer weiter, der es wiederum erst kurz vor seinem eigenen Tod an einen vertrauensvollen Nachfolger weiter gibt.

Vielleicht gefällt Dir ja Rügen bei deinem Besuch im RexRugia StrandResort so gut, dass Du beschliesst, später einmal Fischer auf der Insel zu werden. Und wenn Du ganz viel Glück hast bist Du dann irgendwann vielleicht derjenige, dem ein alter Kollege sein geheimstes Geheimnis anvertraut..



Störtebekers Todvon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 01 May, 2016 12:34

Die Geschichte von Klaus Störtebekers Tod ist ziemlich brutal und blutig. Wenn Dich so etwas zu sehr aufregt und Du vielleicht danach nicht einschlafen kannst lies sie lieber nicht und steige erst beim nächsten Beitrag wieder ein.

Mehrfach hatte Störtebeker nun Schiffe der Hanse gekapert und deren Waren und Schätze erbeutet. Und immer wieder gelang es ihm, den Kriegsschiffen der Hanse, die ihn jagten, zu entkommen. Doch am 22. April 1401 war es eine ganze Flotte von Friedeschiffen (so hiessen die Kriegsschiffe der Hanse), die ihn vor der Nordseeinsel Helgoland nach einem erbitterten Kampf gefangen nahmen. Ein Verräter auf Störtebekers Schiff soll flüssiges Blei in das Ruder gegossen haben, so dass es manövrierunfähig wurde und nur noch im Kreis herum fahren konnte.

In der Gerichtsverhandlung vor dem Hamburger Rat wurden Störtebeker und alle seine Gefährten zum Tode verurteilt. Um sein Leben zu schonen bot Störtebeker dem Rat eine goldene Kette an, die lang genug sein sollte, um sie um die Stadt Hamburg zu legen. Doch der Rat lehnte ab, und so war Klaus Störtebeker der erste, an dem das Urteil vollstreckt werden sollte.

Der Freibeuterkapitän bat der Legende nach den Hamburger Bürgermeister Kersten Miles um einen letzten Gefallen. Jedem Piraten, an dem er nach seiner Enthauptung noch vorbeilaufen könne, sollte Miles das Leben schenken. Der Bürgermeister stimmte zu und liess Störtebekers 72 Männer in einer Reihe neben dem Richtblock aufstellen. Nachdem der Scharfrichter Störtebeker den Kopf abgeschlagen hatte sprang dessen kopfloser Körper auf und schritt an der Reihe seiner Gefährten vorbei. Als er den elften Mann erreicht hatte warf der Henker dem Piratenkapitän den Richtblock vor die Füsse, so dass er zu Fall kam.

Bürgermeister Kersten Miles brach sein Versprechen und liess alle Männer aus Störtebekers Mannschaft köpfen, auch die elf, an denen der Freibeuterkapitän nach seiner Hinrichtung noch vorbeigelaufen war. Anschliessend, so heisst es, habe der Rat den Henker ausdrücklich dafür gelobt, dass er alle 73 Enthauptungen mit je einem einzigen Hieb seines Beiles sauber vollzogen hatte. Der prahlte darauf hin, dass dies noch gar nichts sei und er problemlos auch noch den an der Richtstätte vollständig versammelten Ratsherren die Köpfe abschlagen könne. Diese verstanden das als Drohung und liessen den Henker gefangen nehmen. Noch an Ort und Stelle wurde er vom jüngsten Ratsherren selbst enthauptet.

So endet die Geschichte vom Piratenkapitän Klaus Störtebeker. Was wurde aber nun aus der goldenen Kette, die er dem Hamburger Rat angeboten hatte und die so lang war, dass sie um die ganze Stadt reichen würde? Das erzählt die nächste Geschichte.



Störtebeker: Der berühmteste Pirat auf Rügenvon Inseln und Meer...

Posted by jeevan 29 Apr, 2016 11:36

Nach unserer Reise auf die philippinischen Inseln kommen wir mit unseren Geschichten nun zurück auf unsere eigene Insel: Rügen. Sicher ist Dir hier der Name Störtebeker schon begegnet. Wenn Du im Sommer Gast im RexRugia StrandResort bist kannst Du die Störtebeker-Festspiele auf der Freiluftbühne in Ralswiek besuchen, eine wirklich spektakuläre Theateraufführung. Und Störtebeker-Bier kannst Du - oder besser Deine Eltern - auch überall kaufen. Auf Rügen ist Klaus Störtebeker ein Volksheld, eine Art Robin Hood des Meeres, der reiche Hanse-Schiffe überfiel und die Beute an arme Leute verteilte.

Aber wer war dieser Klaus Störtebeker eigentlich wirklich? Es gibt ein Geburtshaus in der alten Hansestadt Wismar, wo Klaus (als Nicolao) Störtebeker ungefähr im Jahr 1360 geboren worden ist, und eine Richtstätte in Hamburg, wo er am 21. Oktober 1401 als Seeräuber hingerichtet wurde. Und trotzdem bezweifeln Historiker, dass er jemals gelebt hat, und halten ihn für eine fiktive, also erfundene, Figur oder eine Mischung verschiedener historischer Persönlichkeiten. Das soll uns aber egal sein, so lange sich um ihn spannende Geschichten ranken.

Zum Beispiel die um seinen Namen: Störtebeker bedeutet in Plattdeutsch "Stürz den Becher" und geht darauf zurück, dass der Freibeuterkapitän einen Becher voll Bier oder Wein in einem Zug austrinken (stürzen) konnte. Allerdings nicht irgend einen Becher, sondern einen, der eine Elle hoch war. Eine Elle ist ein altes Längenmass, nach dem beispielsweise auch Stoffe gemessen wurden, und entsprach ungefähr der Länge eines Unterarmes - abgeleitet vom Ellenknochen. der vom Ellenbogen zum Handgelenk reicht. In Störtebekers ellenhohen Becher passten 4 Liter Bier oder Wein.

Wieder einmal gab es Krieg um die Herrschaft auf der Ostsee, diesmal zwischen Schweden und Dänemark. So segelte - erzählt die Geschichte - Störtebeker zunächst im Dienst des Königs Albrecht von Schweden, dessen Schiffe er beschützen sollte, um gleichzeitig die der dänischen Königin Margarete I. anzugreifen. Die mächtige Handelsgesellschaft der Hanse, zu der sich mehrere Städte zusammengeschlossen hatten, unterstütze allerdings die Dänen, so dass Störtebecker auch deren zumeist schwerfällige, aber mit wertvollen Waren vollgeladenen Schiffe überfiel. Dafür hatte er Kaperbriefe erhalten - also die Erlaubnis des schwedischen Königs - die ihm ermöglichten, die erbeutete Ware in Wismar frei zu verkaufen.

Nach Albrechts Niederlage machten sich Störtebeker und andere Piraten selbstständig und befuhren nun als Freibeuter - also ohne Auftrag einer sie schützenden Macht - Nordsee und Ostsee. Dabei bezeichneten sich die Piraten als Likedeeler, was nichts damit zu tun hat, dass sie Likes auf Facebook tauschten, sondern dass sie ihre Beute zu gleichen Teilen untereinander verteilten. Für die mittelalterliche Gesellschaft, in der wenigen alles und vielen nichts zustand war dies nicht nur aussergewöhnlich, sondern dürfte auch einer der Gründe sein, die die Legendenbildung um Klaus Störtebeker vorantrieb, der sich selbst als "Gottes Freund und aller Welt Feind" bezeichnete. Von den Kriegsschiffen der Hanse gejagt, wurde Klaus Störtebeker im März 1401 gefangen genommen. Ein Verräter auf seinem eigenen Schiff, so heisst es, soll flüssiges Blei in das Ruder gegossen und das Schiff damit manövrierunfähig gemacht haben.

Um dem Todesurteil zu entgehen bot Störtebeker dem Hamburger Rat eine goldene Kette an, die lang genug sein sollte, um damit einen Ring um die ganze Stadt zu legen. Doch der Rat lehnte ab, und es kam zur Hinrichtung. Darüber erzählt aber die nächste Geschichte.