Geschichten von Inseln und Meer

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Der Reiter am Mönchgraben

von Inseln und Meer...Posted by jeevan 28 May, 2016 16:13

Eine alte Befestigungsanlage, bestehend aus einem Graben und einem Wall, die beide heute noch teilweise zu erkennen sind, trennte einst die Halbinsel Mönchgut vom Rest Rügens. Der sogenannte Mönchgraben war rund 1,5 Kilometer lang und reichte vom Selliner See bis zum heutigen Baabe. Die immer noch vorhandenen Reste des Walls sind etwa drei Meter hoch und sechs bis sieben Meter breit, der Graben ist immerhin zwei Meter breit. Historiker gehen allerdings davon aus, dass die ursprünglichen Masse wesentlich imposanter waren. Dort, wo heute der hölzerne Torbogen mit Fischer, Bauer, Mönch und Ritter - der möglicherweise Fürst Jaromar II. darstellt - steht befand sich der einzige Durchgang durch das Bollwerk. Ein Reiter, der von den Bauern des Mönchguts zu unterhalten war, kontrollierte täglich die Anlage.

Da ist er also: Der Reiter vom Mönchgraben. Noch heute, so sagt man, tauche er gelegentlich in Vollmondnächten auf, begleitet von einem riessigen Hund. Das Pferd sei vom schnellen Ritt mit Schaum bedeckt, sein silbernes Zaumzeug und die goldenen Steigbügel funkelten im Mondlicht. Wem es gelänge, das Pferd schnell trocken zu reiben, dem winkten Gold und Silber als Belohnung.

Rätselhaft ist aber nicht nur der geisterhafte Reiter, auch der Sinn des Mönchgrabens ist nicht genau geklärt. Wurde er wirklich von den Mönchen errichtet, um ihren Besitz abzugrenzen, wie es eine Sage aus dem Kloster Eldena berichtet? Eigentlich lebten die Mönche in Frieden mit den restlichen Inselbewohnern und hatten keinen Grund, ein solches Verteidigungsbollwerk zu bauen. Zudem befindet sich der Wall nördlich des Grabens - also auf der falschen Seite, um Mönchgut zu verteidigen.

Und da kommt plötzlich wieder die Allerheiligenflut von 1304 ins Spiel. Wenn es nämlich die dabei überspülte Landverbindung zum Ruden und darüber hinaus vielleicht sogar bis zur Halbinsel Usedom gegeben hat macht der Mönchgraben Sinn. Allerdings als Verteidigungslinie der Ranen gegen dänische und sächsische Bedrohungen von der Landseite und dem späteren Mönchgut her. Möglicherweise ist der Mönchgraben also älter als vermutet - und der gold und silbern glänzende Reiter ritt mit seinem Hund bereits über den Wall, bevor überhaupt Mönche auf die Insel kamen.



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