Geschichten von Inseln und Meer

Geschichten von Inseln und Meer

Magellan, die Königin von Cebu und eine Puppe aus Holz

von Inseln und Meer...Posted by jeevan 15 Apr, 2016 11:59

Vielleicht hast Du den Namen Ferdinand Magellan schon mal gehört. Oder, wie er auf portugiesisch heisst - denn Magellan war Portugiese - Fernão de Magalhães. Er versuchte im Auftrag des spanischen Königs Karl V. mit seinen Segelschiffen die Welt zu umsegeln und entdeckte dabei die Philippinen.

Es war im Jahre 1521, als Ferdinand Magellan auf die Inseln traf, die heute Philippinen heißen - benannt übrigens nach dem damaligen spanischen Prinzen und Thronfolger Philipp II, der damals noch ein Kind war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Magellan von den fünf Schiffen, mit denen er gestartet war, bereits zwei verloren – eines war in Südamerika gestrandet, das andere nach einer Meuterei nach Spanien umgekehrt.

Am 16. März 1521 erreichte Magellans Flotte die kleine Insel Homonhon, erstmals betraten Europäer eine philippinische Insel. Sie wurden freundlich aufgenommen, zumal ein Sklave Magellans die Sprache der hier lebenden Menschen verstand und als Dolmetscher fungieren konnte.

Von Homonhon aus segelte Magellans Flotte weiter nach Limasawa, und von Limasawa aus schliesslich nach Cebu.

Hier gelang es Magellan mit friedlichen Mitteln, den Herrscher Radscha Humabon und viele seiner Untertanen zum Christentum zu bekehren. Nach den kleinen Inseln Homonhon und Limasawa unterwarf sich auch das wesentlich größere Cebu nun kampflos dem König von Spanien. Dabei spielte Santo Niño, eine aus Holz geschnitzte Puppe, die Jesus als Kind darstellt, eine wichtige Rolle: Radscha Humabons sehr junge Frau Ming-Ming hatte in Magellans persönlichen Utensilien nämlich die hölzerne Christusfigur entdeckt und bat den Kapitän darum, sie ihr zu schenken. Am 14. April hielt Magellan also auf Cebu eine katholische Messe ab, taufte Ming-Ming auf den Namen Johanna und überreichte der Königin die Puppe.

Königin Ming-Ming, nun Johanna, bekam also die Puppe geschenkt, Magellans Flotte zog weiter, Radscha Humabon und Ming-Ming entsagten dem Christentum und kehrten zu ihren alten Glaubensvorstellungen zurück. Die Christuspuppe geriet in Vergessenheit…

…bis 44 Jahre später wieder eine spanisches Flotte die Küste von Cebu erreichte. Miguel López de Legazpi nahm die Insel erneut – und diesmal mit Gewalt und für fast 250 Jahre – für Spanien in Besitz. Dabei wurde das Dorf von Radscha Tupas, Neffe und Nachfolger des inzwischen verstorbenen Radscha Humabon, zerstört. Trotz der dabei auftretenden Feuersbrunst fand ein Matrose die beinahe unversehrte Holzfigur Magellans. Und damit war der Mythos um Santo Niño geboren, fortan galt die Figur, die auf wundersame Weise nicht nur das Feuer, sondern auch 44 Jahre Heidentum unbeschadet überstanden hatte, als Heiligtum. An der Fundstelle wurde die erste Kirche auf den Philippinen errichtet und inzwischen zur Basilica del Santo Niño ausgebaut. 1965 erhielt sie von Papst Paul VI. den Ehrentitel Basilika minor.

An jedem dritten Sonntag des Jahres wird Santo Niño zu Ehren in Cebu das Sinulog-Festival gefeiert. Aber nicht nur in Cebu, überall auf den Philippinen wird Santo Niño verehrt. Es gibt kaum eine Wohnung ohne einen eigenen Altar, und kaum einen Altar ohne eine Figur des Heiligen Kindes.

Königin Ming-Ming übrigens war eine Nichte des Häuptlings Lapu-Lapu, der die benachbarte Insel Mactan beherrschte – doch das ist eine andere Geschichte, die ich später erzählen werde.



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