Geschichten von Inseln und Meer

Geschichten von Inseln und Meer

Magellan und der wilde Häuptling Lapu-Lapu

von Inseln und Meer...Posted by jeevan 18 Apr, 2016 19:07

Magellan hatte wie Du schon aus der Geschichte mit der Königin von Cebu und dem hölzernen Jesuskind weisst, in der Zeit vom 16. März bis 14. April 1521 mühelos die zwei kleinen Inseln Homonhon und Limasawa sowie die grosse Insel Cebu für Spanien in Besitz genommen. Auf Cebu hatte er den König Radscha Humabon, und dessen junge Frau Ming-Ming getauft und ihr die Holzfigur geschenkt, die noch heute auf den Philippinen verehrt wird. Doch es gab einen, dem dies überhaupt nicht gefiel: Ming-Mings Onkel Lapu-Lapu. Er beherrschte Cebus kleine Nachbarinsel Mactan und hatte nicht die Absicht, sich den fremden Weißen freiwillig zu beugen.

Magellans Schiffe ankerten geschützt in einer schmalen Meeresstraße, von der aus beide Inseln - das große Cebu und das kleinere Mactan - mühelos zu erreichen waren. (Heute verbinden zwei Brücken die beiden Inseln.) Nachdem er Cebu kampflos eingenommen hatte, wollte Magellan nun auch das in Sichtweite liegende Mactan unter die spanische Krone bringen und zum Christentum führen. Da Lapu-Lapu sich nicht wie Humabon überreden und auch nicht wie Ming-Ming von einer hölzernen Puppe beeindrucken ließ, beschloss Magellan einen militärischen Angriff.

Durchaus möglich, dass Magellan, dessen Männer mit Feuerwaffen ausgerüstet und durch Rüstungen geschützt waren, die nahezu nackten Eingeborenen, die in Hütten aus Holz und Gras lebten, unterschätzt und mit einem leichten Sieg gerechnet hatte. Doch es kam anders.

Magellans Männer wurden von den Kämpfern Lapu-Lapus, die sich mit Pfeil und Bogen und Lanzen gegen die Feuerwaffen der Spanier stellten, noch am Ufer zurückgeschlagen. Forscher vermuten, dass sie neben ihren Waffen auch
eine asiatische Kampkunst beherrschten, die heute unter der Bezeichnung "Eskrima" bekannt ist. Mehrere spanische Angreifer kamen ums Leben. Magellan selbst, so berichtete sein Chronist Pigafetta, habe als einer der Letzten, noch im Wasser stehend, versucht, den Rückzug seiner Leute zu decken. Ein vergifteter Pfeil habe den Oberschenkel des Portugiesen getroffen, anschließend sei er von zwei Lanzenstößen niedergestreckt worden. So endete Magellans geplante Weltumsegelung an einem philippinischen Strand.

Häuptling Lapu-Lapu gilt heute als Nationalheld der Philippinen und wird als erster Freiheitskämpfer verehrt, mitunter sogar als Begründer der Nation bezeichnet. Vergessen wird von den heute grösstenteils katholischen Philippinern dabei allerdings oft, dass er sich nicht nur der Eroberung durch Spanien, sondern insbesondere auch der Christianisierung seiner Insel widersetzte.

Und Ferdinand Magellan? Auch er wird auf den Philippinen heute als Volksheld verehrt - eben weil er das Christentum auf die Inseln brachte.

Humabon, der Radscha von Cebu, entsagte nach Magellans Tod dem Christentum und griff die verbliebenen Spanier an. 35 weitere Seeleute kamen ums Leben. Mit nur noch zwei Schiffen - das dritte versenkten die überlebenden Spanier selbst, weil sie nicht mehr genügend Leute waren, um es zu segeln - flüchtete die Flotte in Richtung Westen. Nur einmal noch, auf Palawan, betraten sie eine heute zu den Philippinen gehörende Insel.

Nur ein Schiff aus Magellans Flotte sollte es schliesslich schaffen, in seinen spanischen Heimathafen zurückzukehren, Doch das ist schon wieder die nächste Geschichte.

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