Geschichten von Inseln und Meer

Geschichten von Inseln und Meer

Störtebeker: Der berühmteste Pirat auf Rügen

von Inseln und Meer...Posted by jeevan 29 Apr, 2016 11:36

Nach unserer Reise auf die philippinischen Inseln kommen wir mit unseren Geschichten nun zurück auf unsere eigene Insel: Rügen. Sicher ist Dir hier der Name Störtebeker schon begegnet. Wenn Du im Sommer Gast im RexRugia StrandResort bist kannst Du die Störtebeker-Festspiele auf der Freiluftbühne in Ralswiek besuchen, eine wirklich spektakuläre Theateraufführung. Und Störtebeker-Bier kannst Du - oder besser Deine Eltern - auch überall kaufen. Auf Rügen ist Klaus Störtebeker ein Volksheld, eine Art Robin Hood des Meeres, der reiche Hanse-Schiffe überfiel und die Beute an arme Leute verteilte.

Aber wer war dieser Klaus Störtebeker eigentlich wirklich? Es gibt ein Geburtshaus in der alten Hansestadt Wismar, wo Klaus (als Nicolao) Störtebeker ungefähr im Jahr 1360 geboren worden ist, und eine Richtstätte in Hamburg, wo er am 21. Oktober 1401 als Seeräuber hingerichtet wurde. Und trotzdem bezweifeln Historiker, dass er jemals gelebt hat, und halten ihn für eine fiktive, also erfundene, Figur oder eine Mischung verschiedener historischer Persönlichkeiten. Das soll uns aber egal sein, so lange sich um ihn spannende Geschichten ranken.

Zum Beispiel die um seinen Namen: Störtebeker bedeutet in Plattdeutsch "Stürz den Becher" und geht darauf zurück, dass der Freibeuterkapitän einen Becher voll Bier oder Wein in einem Zug austrinken (stürzen) konnte. Allerdings nicht irgend einen Becher, sondern einen, der eine Elle hoch war. Eine Elle ist ein altes Längenmass, nach dem beispielsweise auch Stoffe gemessen wurden, und entsprach ungefähr der Länge eines Unterarmes - abgeleitet vom Ellenknochen. der vom Ellenbogen zum Handgelenk reicht. In Störtebekers ellenhohen Becher passten 4 Liter Bier oder Wein.

Wieder einmal gab es Krieg um die Herrschaft auf der Ostsee, diesmal zwischen Schweden und Dänemark. So segelte - erzählt die Geschichte - Störtebeker zunächst im Dienst des Königs Albrecht von Schweden, dessen Schiffe er beschützen sollte, um gleichzeitig die der dänischen Königin Margarete I. anzugreifen. Die mächtige Handelsgesellschaft der Hanse, zu der sich mehrere Städte zusammengeschlossen hatten, unterstütze allerdings die Dänen, so dass Störtebecker auch deren zumeist schwerfällige, aber mit wertvollen Waren vollgeladenen Schiffe überfiel. Dafür hatte er Kaperbriefe erhalten - also die Erlaubnis des schwedischen Königs - die ihm ermöglichten, die erbeutete Ware in Wismar frei zu verkaufen.

Nach Albrechts Niederlage machten sich Störtebeker und andere Piraten selbstständig und befuhren nun als Freibeuter - also ohne Auftrag einer sie schützenden Macht - Nordsee und Ostsee. Dabei bezeichneten sich die Piraten als Likedeeler, was nichts damit zu tun hat, dass sie Likes auf Facebook tauschten, sondern dass sie ihre Beute zu gleichen Teilen untereinander verteilten. Für die mittelalterliche Gesellschaft, in der wenigen alles und vielen nichts zustand war dies nicht nur aussergewöhnlich, sondern dürfte auch einer der Gründe sein, die die Legendenbildung um Klaus Störtebeker vorantrieb, der sich selbst als "Gottes Freund und aller Welt Feind" bezeichnete. Von den Kriegsschiffen der Hanse gejagt, wurde Klaus Störtebeker im März 1401 gefangen genommen. Ein Verräter auf seinem eigenen Schiff, so heisst es, soll flüssiges Blei in das Ruder gegossen und das Schiff damit manövrierunfähig gemacht haben.

Um dem Todesurteil zu entgehen bot Störtebeker dem Hamburger Rat eine goldene Kette an, die lang genug sein sollte, um damit einen Ring um die ganze Stadt zu legen. Doch der Rat lehnte ab, und es kam zur Hinrichtung. Darüber erzählt aber die nächste Geschichte.



  • Comments(0)

Fill in only if you are not real





The following XHTML tags are allowed: <b>, <br/>, <em>, <i>, <strong>, <u>. CSS styles and Javascript are not permitted.